„World“-Palette keine Alternative zum Europalettenpool

Seit Monaten versucht ein Palettenhersteller dem Europalettenpool - mit mittlerweile fast 400 Mio. Europaletten der größte freie Palettentauschpool der Welt - Konkurrenz zu machen, indem er Paletten mit dem Einbrand „World“ als Alternative zur Europalette anpreist.

Bisher habe man die Werbekampagnen der „World“-Palette sportlich genommen, so Thomas Ulitzsch, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Paletten (GPAL). Aber nachdem die ständigen Versuche nicht aufhören, den Eindruck einer Tauschfähigkeit der „World“-Palette im Europalettenpool zu erwecken, gehen die GPAL und die European Pallet Association (EPAL) nun in die Offensive.

Beide Verbände stellen nochmals klar: „World“-Paletten sind keine Europaletten und können im Europalettenpool nicht getauscht werden. Aus Sicht der GPAL ist die Ähnlichkeit der Paletten und die hierdurch ausgelöste Verwechslungsgefahr bewusst beabsichtigt und daher ein großes Ärgernis. „World“-Paletten sehen nicht ganz zufällig Europaletten täuschend ähnlich, denn neben dem Markeneinbrand und der Herstellerkennzeichnung werden sogar kleinste Details, wie die Prüfklammer auf einem Mittelklotz der Längsseite, nachgeahmt, so Ulitzsch.
Mit einer sich deutlich in den Marken oder in der Farbe unterscheidenden Konkurrenzpalette habe die EPAL kein Problem und werde sich gerne der neuen Herausforderung stellen, so die GPAL. Aber offensichtlich sei die Intention in diesem Fall eine andere, denn aus gutem Grund haben bekanntlich alle anderen Mitbewerber, wie z.B. die Mietpalettenanbieter, ihre Paletten farbig markiert, damit eine Verwechslungsgefahr ausgeschlossen ist.

Offizieller Lizenzgeber der „World“-Palette ist ein Liechtensteiner Unternehmen, die World Pallet Establishment, das größten Wert auf Geheimhaltung lege, so die GPAL. Tatsächlich aber ist Inhaber der Marke „World“ niemand anders als der Vorstand des Herstellers der „World“-Paletten, der Falkenhahn AG. Dies erklärt auch, warum bis heute niemand außer der Falkenhahn AG „World“-Paletten herstellt oder repariert. „Kein Palettenhersteller oder Palettenreparateur will Lizenznehmer eines Mitbewerbers werden“, so Ulitzsch, „und was es für die Verwender von Paletten bedeutet, wenn nur ein einziger Hersteller existiert, liegt auf der Hand.“

Die Falkenhahn AG versucht, diesen Problemen mit erheblichen Preisnachlässen zu begegnen und begründet dies einmal mit fehlenden Lizenzgebühren, ein anderes Mal mit modernen Fertigungstechniken.
Auch dies, so die GPAL, sei nicht richtig. Nahezu alle Europalettenhersteller verfügen über ähnlich moderne Produktionsanlagen. Und auch über die Lizenzgebühren für die Europalette lassen sich die Preisunterschiede nicht erklären, denn die Lizenzgebühren machen nur etwas über einen Prozent des Europalettenpreises aus. Aus diesen geringen Lizenzgebühren werden im Übrigen allein in Deutschland durch eine von der EPAL beauftragte Prüfgesellschaft jährlich über 6000 zumeist unangemeldete Überwachungsbesuche bei den lizenzierten Herstellern und Reparateuren von Europaletten durchgeführt, um die hohe Qualität der Europalette sicher zu stellen, so die GPAL.
Bleiben als Grund für die Preisunterschiede die Einkaufspreise für Schnittholz und Klötze, aber hier, so Ulitzsch, haben alle Hersteller die gleichen oder ähnliche Bezugsquellen, zumal Unterschiede bei den Einkaufspreisen die Qualität des Holzes widerspiegeln.

Nachdem EPAL und GPAL in ihrer Werbung darauf hingewiesen haben, dass es eine regelmäßige, vom Lizenzgeber unabhängige, neutrale Prüfung bei der Produktion der „World“-Palette nicht gibt, hat die Falkenhahn AG zunächst erfolglos versucht, dies mittels einer Einstweiligen Verfügung gerichtlich untersagen zu lassen. Das Landgericht Meiningen wird hierüber Anfang November 2008 entscheiden.
Die EPAL geht sehr zuversichtlich in diesen Prozess, denn bisher hat die EPAL in Deutschland ausnahmslos alle Prozesse gegen die Falkenhahn AG gewonnen. So darf die Falkenhahn AG gemäß einem Beschluss des Landgerichts Meiningen die „World“-Palette nicht mehr als „neuen Ladungsträger“, als „Weltneuheit“ oder als „Innovation“ bezeichnen oder behaupten, „World“-Paletten seien „stabiler“ als die Europalette. Entscheidend aber sei, so die GPAL, dass das Landgericht Meiningen es der Falkenhahn AG untersagt habe, zu behaupten, „World“- Paletten könnten ohne Umstellung sofort und problemlos für die Lager- und Transportlogistik der Verwender eingesetzt werden und seien mit einer Ersparnis von bis zu 20 % der Handlingkosten verbunden. Dies, so das Landgericht Meiningen, setze voraus, dass für „World“-Paletten ein Tauschpool existiere. Da aber die Falkenhahn AG hiervon selbst nicht ausgehe, sondern von einem Verkauf der Paletten spreche, bis diese „irgendwo auf der Rampe stehen“, könne von einem Tauschpool und damit einer Ersparnis von Handlingkosten keine Rede sein.

EPAL und GPAL raten daher allen Verwendern von Europaletten dringend, darauf zu achten, dass sie wirklich nur Europaletten untereinander tauschen. Mittlerweile sind die ersten Fälle bekannt geworden, in denen Empfänger die Ladungen nicht mehr annehmen, wenn sie auf „World“-Paletten angeliefert werden, oder angedroht wird, die Ladung kostenpflichtig für den Versender von „World“-Paletten auf Europaletten umpacken zu lassen. Ebenfalls wurde erstmals einem Versender angedroht, für „World“-Paletten Entsorgungskosten zu berechnen. „Und damit wurde das vermeintliche Schnäppchen dann doch recht teuer und hat einige Schnäppchenjäger ganz schnell kuriert“, so Ulitzsch.

Autor:
Holzi am 20. Okt. 2008 um 08:04 Uhr
Tags:
Info | Paletten | Verpacker
Kategorie:
Paletten
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